Chronik des Ortes und der Freiwilligen Feuerwehr Moorsee

Die Freiwillige Feuerwehr Kiel-Moorsee

Die Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Moorsee ist nur unvollständig bekannt. Beim Brand des Gehöftes Gustav Hamann, der zu der Zeit Wehrführer war, sind nähere Aufzeichnungen der Feuerwehrchronik und alle Unterlagen verbrannt. Auch nach Befragungen alter Feuerwehrkameraden konnten keine weiteren Daten als die hier angegebenen ermittelt werden.

Am 26. März 1890 beantragte der Amtsvorsteher und Beauftragte des Amtes beim Amt Kiel-Gaarden die Selbständigkeit für den Amtsfeuerlöschbezirk Moorsee. Das Amt sollte die Gemeinden Kleinbarkau, Booksee, Meimersdorf, Moorsee und Wellsee umfassen. Die Ausrufung für das neue Amt sollte am 1. April 1890 erfolgen. Für die Werte, die im Alten Amt noch vorhanden waren, wurde dem Amt Gaarden eine Abfindungssumme angeboten. Dieser Vorschlag des Amtsvorstehers Schlüter wurde von Gaarden anerkannt. Die Amtsselbstständigkeit trat somit am 1. April 1890 in Kraft. Zum damaligen Zeitpunkt waren fast keine Freiwilligen Feuerwehren vorhanden.

Die Geburtsstunde unseres heutigen Amtes vollzog sich in Kleinbarkau. Laut Amtsprotokollbuch hatten sich zur Gründung eingefunden:

1. für KleinbarkauGemeindevorsteher Einfeld
2. für BookseeGemeindevorsteher Berger
3. für MeimersdorfGemeindevorsteher Struve
4. für MeimersdorfGemeindevorsteher/ Stellvertr. Mordhorst
5. für MoorseeGemeindevorsteher Hamann
6. für MoorseeGemeindevorsteher/Stellvertr. Hamann
7. für WellseeGemeindevorsteher Wörpel
8. der Amtsvorsteher Schlüter


Als Kassierer der Amtspflichtfeuerwehr Moorsee wurde Johann Hamann gewählt. Im Jahre 1893 übernahm Heinrich Schmidt aus Moorsee dieses Amt. Aus der Amtsfeuerwehrkasse wurden 200 DM für die Ausrüstung der Feuerwehr zur Verfügung gestellt. Moorsee besaß eine Handdruckspritze, der Ortsteil Poppenbrügge eine Feuerkarre. Die Hauseigentümer hatten Wassereimer und Feuerhaken (Bootshaken) sowie Leitern bereit zu halten. Die Ausrüstung des einzelnen Feuerwehrmannes bestand aus einer Feuerpatsche.

Im Jahre 1896 wurde die Druckspritze von dem Maschinenbaumeister Stoltenberg aus Preetz zu einer Saug- und Druckspritze umgebaut.

1908 wurde die Freiwillige Feuerwehr in der Gastwirtschaft Först gegründet. Mitbegründer waren: Gustav Buhmann, Heinrich Buhmann, Christian Bruhn, Detlef Först, Hans Först, Christian Först, Ernst Först, Heinrich Hinrichsen, Johann Hinckelmann, Christian Hinckelmann, Christian Horn, Detlef Hamann, Johann Hamann, Willi Hamer, Hein Koch, Johannes Möller, Fritz Niemann, Paul Primke, Wilhelm Rogan, Heinrich Schmidt, Johann Schmidt, Hans Schnack, Fritz Schümann, Klaus Schurbohm, Fritz Sell und Heinrich Wörpel.

Zur einheitlichen Einkleidung wurden Arbeitsblusen von den Frauen des Ortes genäht. 1928 wurde von dem Feuerwehrlöschverband Moorsee eine pferdegezogene Motorspritze (Flader) angeschafft. Zur Anschaffung dieser Spritze waren die Landesbrandkasse, die Regeno Feuerwehrversicherung und die Brügger Brandgilde mit Zuschüssen behilflich. Auch wurden 6 tragbare Trockenlöschgeräte (Minimax) angeschafft.

Das Amt Moorsee beschloss am 11. Januar 1928, einen Amtslöschverband für den Amtsbezirk zu bilden, dem sämtliche Gemeinden des Amtes Moorsee angehören sollten. Der bisher bestehende Feuerlöschbezirk des Amtes Moorsee wurde aufgehoben und nur zur Anschaffung der fahrbaren Motorspritze, ein Feuerlöschzweckverband-Amtslöschverband gegründet.

Vor Auflösung des alten Feuerlöschbezirks sollen die Spritzen der Gemeinden Kleinbarkau und Booksee repariert und mit den vorhandenen Schläuchen der alten unbrauchbaren Spritze der Gemeinde Moorsee ausgerüstet werden. Mit der Auflösung des bisherigen Feuerlöschbezirks gehen die in den einzelnen Gemeinden vorhandenen Spritzenhäuser nebst Spritzen und Zubehör in Eigentum der Gemeinden über, nur die alte ausrangierte Spritze der Gemeinde Moorsee bleibt dem alten Feuerlöschbezirk zur Verfügung. Die Motorspritze soll sofort zu dem angebotenen Preis der Fa. Flader in Auftrag gegeben werden, möglichst frei Station Kiel. Die Verzinsung und Amortisation des Restkapitals zur Anschaffung der Motorspritze soll nach Kopfzahl der Gemeinden des Amtsbezirks aufgebracht werden, in der Weise, dass Moorsee das Dreifache, Wellsee das Zweifache und die übrigen Gemeinden das Einfache des Kopfpreises aufbringen.

Die Unterhalts- und Betriebskosten der Motorspritze übernimmt die Gemeinde Moorsee (verhandelt zu Moorsee, den 11, Januar 1928).

1929 wurde auf dem Dorfplatz neben dem damaligen Grätehaus ein Schlauchtrockenmast aus Bahnschienen aufgestellt. Während der Kriegszeit von 1939 - 1945 wurde die Freiwillige Feuerwehr Moorsee zu Lösch- und Hilfseinsätzen eingesetzt. 1945 übernahm die Wehr eine Tragkraftspritze mit 2-Taktmotor aus den Beständen der Wehrmacht. 1946 kam dann ein treckergezogener Geräteanhänger (TSA) hinzu. 1955 wurde die alte Wehrmachtspritze durch eine modernere TS 8 Marke "Metz" ersetzt. Im Jahre 1964 beschaffte die Gemeinde Moorsee ein Löschgruppenfahrzeug LF 8.

Durch die Anschaffung dieses Fahrzeuges war das vorhandene Gerätehaus zu klein. Man traf zur vorübergehenden Unterstellung des Fahrzeuges ein Notbehelf und stellte es auf dem Bauerngehöft Schnack in Schlüsbek unter. In diesem Jahre errang die Wehr auch bei einer Leistungsbewertung die Plakette in Bronze. Bei einer Bewertung im Jahre 1968 wurde die Wehr mit der 2. Bronzeplakette geehrt.

Am 14.12.1969 wurde das jetzige, neuerstellte Gerätehaus eingeweiht. Dieses Gebäude enthält 2 Fahrzeugunterstände, 1 Schulungsraum und Sanitäreinrichtungen. Die Feuerwehr stellte vorübergehend den Schulungsraum für einen Kindergarten, der innerörtlich unter Eigenregie geleitet wurde, zur Verfügung. Nach der Eingemeindung wurde der Wehr von der Stadt Kiel ein Tanklöschfahrzeug TLF 16 zur Verfügung gestellt.

Im Jahre 1975 wurde wieder eine Leistungsbewertung durchgeführt, bei der die Wehr die Silberplakette errang. Im Jahre 1981 musste der Schulungsraum verkleinert werden, da die Stadt Kiel für die Wehr ein neues Löschgruppenfahrzeug beschafft hatte. Am 5.2. 1982 beschloss die Wehr auf der Jahreshauptversammlung die Gründung einer Jugendfeuerwehr.

Die Feuerwehr Kiel Moorsee hat zu dieser Zeit 29 Aktive Mitglieder, 5 Ehrenmitglieder, 19 fördernde Mitglieder und 12 Jugendfeuerwehrmitglieder.




Die Ortschaft Moorsee

Geographische Lage des Ortes Moorsee

Landgemeinde 8 km Südlich von Kiel, an einem gepflasterten Weg von Kiel über Poppenbrügge durch Schlüsbek nach Kirchbarkau. Am Landwege von Meimersdorf nach Wellee. Im Norden bildet die Poppenbrüggerau und im Süden das Schlüsbeker Moor die Grenze. Mitten durch das flachwellige Gelände zieht sich von Osten nach Westen ein sandiger Strich. Das Dorf liegt auf einer Anhöhe. Im Süden liegt der 1805 trockengelegte Moorsee, welcher 150 ha groß war. Das gewonnene Land dient als Wiesen und Weiden. Wald fehlt ganz. Die Moore sind an Torf für Eigenbedarf ausreichend. Acker und Wiesen sind von sehr verschiedener Güte.

Die Größe des Areals ist 517 ha, davon sind 402 ha Acker, 92 ha Wiesen und 23 ha Unland.

Aus alten Unterlagen in Archiven

Am 1. Juni 1222 wurde Moorsee von Albrecht Graf von Drelmünde und Holstein wegen der Begrenzung des Klostergebietes und des Fürstentums Kiel erstmalig genannt. Der Graf verleiht das Dorf dem Kloster Preetz mit den Verpflichtungen der niederen Gerichtsbarkeit, Aufgebot, Bete, Grafenschatz und Bürgwerk. Er behält sich nur die Landwehr vor.

1284 wird vermutet, dass Nikolaus Fuß (Foth) und sein Bruder Marquard die Gemarkung Moorsee für 10 Mark an Heinrich Busch verpfändet haben soll.

1338 verkaufte Ritter Johann von Walstorp das Dorf, welches er selbst von Heinrich von Wiemersdorf gekauft hatte, für 336 Mark an das Heiligen Geiststift in Kiel. Ausgenommen 1 Hufe, die Peter Beker (Berter) besaß, in denen das Stift ein Kapital von 84 Mark als Grundschuld stehen hatte. Auch diese Hufe wurde später in den Besitz des Stiftes genommen, somit blieb das Dorf bis zur Reformation in dem Besitz der Stadt Kiel, soweit man von einer Stadt sprechen konnte.

1572 wurde Kiel von Herzog Adolf I. gezwungen, Moorsee und die anderen Stadtdörfer an ihm abzutreten, seitdem gehört Moorsee zum Amt Kiel

17. Jahrhundert: Die Ländereien, die noch kein Eigentum waren, wurden nach einer bestimmten Zeit (Fruchtfolge) durch Los verteilt. Die Flächen waren nur 2 Wurf (Einsaat) bereit. Diese Verteilungsart war deshalb so gewählt worden, weil das Areal sehr unterschiedlich war und damit keine Benachteiligung oder Vorteile entstehen konnten.

1764 wurden die Dorfländereien amtlich vermessen, auf Veranlassung des Herrn Casper von Saldern auf Schierensee. Zu der Zeit war selbiger beim Zaren von Russland stadtoberster Gerichtsherr von Holstein. Die Dorfschaft wurde verpflichtet, dem Vermessungspersonal Unterkunft und Verpflegung zu geben. Dem Vermessungsrat Grundroth musste auch ein Raum für die Übertragung ins Reine zur Verfügung gestellt werden. Diese Arbeiten verrichtete er an Schlechtwettertagen. Er hatte auch Anspruch auf ein Fuhrwerk mit Kutscher für die Fahrten zur Amtsstube nach Kiel.

1769 hatten die Hufner der Dörfer Moorsee, Wellsee, Boksee, Kleinbarkau und Wellingdorf die Salzwiesen des Gutes Viehburg. (Die Salzwiesen erstreckten sich damals von der jetzigen Gablenzbrücke bis zur Anhöhe Hornheimer Berg). Tang und Seegras, welches bei den Nordoststürmen angetrieben wurde, mussten sie entfernen. Dieses wurde durch einen Erlass aufgehoben, dafür musste pro Hufe 1 Schilling am Kieler Umschlag an das Gut Viehburg gezahlt werden. 1769 wurde von der Kieler Amtsstube verordnet: Jedes Jahr nach Martini, wenn die Saat eingebracht war, mussten 2 Mann pro Hufe zur Jagd zur Verfügung gestellt werden.

Tabellarische Aufstellung der Dorfgeschehnisse

1795 wurde durch die Ritterschaft beschlossen, dass die Leibeigenschaft 1805 aufgehoben wird
1805 erfolgte die Abgrabung des Moorsee's
1813 wurde eine neue Brücke über die Schlüsbek aus bearbeiteten Felsen errichtet
1830 wurde das erste Schulhaus errichtet
1832 wurde die Straße von der Poppenbrüggerau bis Schlüsbek gepflastert
1837 brannten die Bauernstellen Horn, Stoltenberg und Delfs nieder, selbige wurden wieder errichtet
um 1840 errichtete Klaus Langmaack eine Stellmacherei
1843 baute das Herzogtum Holstein die Eisenbahn von Altona nach Kiel, diese Strecke wurde am 18. September 1844 eröffnet
1844 wurde in Poppenbrügge eine Windmühle erbaut
1845 errichtete Hans Hinckelmann eine Schmiede
um 1860 wurde nördlich des Dorfes eine Ziegelei gebaut
1874 wurde ein neues Schulhaus errichtet
1890 am 1. April wurde das Amt Moorsee gegründet
1896 wurden die Gemeinden Moorsee und Wellsee von Kiel nach Elmschenhagen umgepfarrt
1900 bekam Moorsee den ersten Fleischbeschauer (Heinrich Hamann)
1903 hat der Bürger H. Schnack das erste Telefon im Orte erhalten
1904 wurde in Poppenbrügge ein Verschiebebahnhof gebaut. Der Verkehr wurde über diesen Bahnhof durch den Neubau einer Brücke hinweggeführt. Der Schlüsgraben wurde vertieft und verbreitert. Auch waren einige Brände zu verzeichnen (Först, Buhmann, D. Hamann u.Schmidt)
1908 wurde eine Freiwillige Feuerwehr in Moorsee und eine in Poppenbrügge gegründet
1910 begann man mit dem Bau der Kleinbahn Kiel - Segeberg, diese wurde am 2. Dezember 1911 eingeweiht
1938 kam die Gemeinde Schlüsbek zu Moorsee
1940 wurde von der Deutschen Wehrmacht ein Pionierpark gebaut. Zur selben Zeit wurden auf Anhöhen in Poppenbrügge Scheinwerferstellungen eingerichtet
1943 Am 17. Mai brannten die Bauernstellen (Horn, Holst und Först) durch einen Brandbombenangriff nieder. Die Gehöfe Walter Hamann, Gustav Hamann sowie die Altenteilskaten von Petersen und Horn wurden durch Sprengbomben zerstört. Bei diesen Angriffen fanden 14 Personen den Tod (hierunter eine ganze Familie). Auch andere Gebäude wurden in Mitleidenschaft gezogen. Es sind ca. 90 Bombeneinschläge zu verzeichnen gewesen
1945 Anfang des Jahres kamen die ersten Flüchtlinge aus dem Osten nach Moorsee. Diese wurden bei Einheimischen untergebracht. Ein englischer Bomber wurde von der Meimersdorfer Flakstellung abgeschossen, dieser ging auf der Weide von Walter Hamann nieder. Auch wurde im Schlüsbeker Moor die Torfgewinnung wieder aufgenommen. Um 1948 wurde eine Torfbrikettpresse aufgestellt und in Betrieb gesetzt. 1950 wurde der gesamte Betrieb eingestellt
1946 wurde mit der Einweisung der Flüchtlinge in die Baracken des Pionierparkes begonnen
1952 Ende März setzte der Winter wieder ein und schnitt Moorsee von der Umwelt ab. Am 30. März wurden die Männer zum Schnee schaufeln eingesetzt. Die Straße von Poppenbrügge bis Schlüsbek wurde umgepflastert. Die Stellmacherei Langmaack brannte nieder
1955 begann man mit den Bau der B 404, die am 29. Oktober 1956 dem Verkehr übergeben wurde
1956 wurde der Schlüsgraben vertieft und ein Schöpfwerk errichtet
1958 am 11. September wurde die Straße Moorsee-Rönne als Teerchaussee dem Verkehr übergeben, bei diesem Ausbau wurde die Steinbrücke überbaut
1961 am 2. Juni wurde auf dem Schulweg von Schlüsbek nach Moorsee beim überqueren der B 404 ein Kind überfahren. Im Sommer ertrank ein Kind beim Spielen im Seeteich. Im September begannen die Tiefbauarbeiten zum zentralen Wasserleitungsbau. Am Volkstrauertag wurde das neu gestaltete Ehrenmal feierlich eingeweiht
1963 wurde das neue Feuerwehrgerätehaus eingeweiht
1969 wurde die Siedlung Schlüsstücken mit 12 Häusern erbaut
1970 wurde Moorsee durch die Gebietsreform nach Kiel eingemeindet
1971 am 29. Oktober wurde der Bürgerverein Moorsee-Schlüsbek e.V. gegründet
1972 bemühte sich erstmals der Bürgerverein um eine Nahverkehrsanwendung an das Kieler Verkehrsnetz. Im Sommer wurde eine zentrale Telefonzelle errichtet
1975 wurde der Dorfplatz in Moorsee ausgebaut
1976 am 3. Januar wurde der Gleisanschluss ins Gewerbegebiet Wellsee gelegt. Die Kreuzkirche in Poppenbrücke wurde am 2. Februar eingeweiht. Auch erfolgte die Schließung der Poststelle in Schlüsbek
1977 am 16. Juli wurde das erste Kinderfest des Bürgervereins ausgerichtet
1978/ 79 Durch starke Schneeverwehungen waren die Ortsteile Moorsee und Schlüsbek von der Stadt Kiel und der Umgebung abgeschnitten
1980 wurde die Kreuzung der B 404 am Steindamm und Zum Schlüsbeker Moor durch eine Ampelanlage gesichert


Faustrecht gegen Paragraphenrecht

Dass die Meimersdorfer nicht nur durch hartnäckig geführte Prozesse, sondern auch, wenn es sein musste, in recht handgreiflicher Weise ihre Interessen zu wahren verstanden, zeigt uns ein Streit, der im Jahre 1745 zwischen ihnen und dem damaligen Amtmann zu Kiel, dem Hochfürstlichen Conferenzrat Gerhard Graf zu Dernath, ausgefochten wurde. Der strittige Punkt betraf das Nutzungsrecht an dem zwischen dem Meimersdorfer Ackerland und dem Moorseer liegenden Torfmoor und einer dort befindlichen Grasweide. Moorsee und Weide gehörten seit jeher zum Amte Kiel, das 1709 den See an den Grafen Hinrich von Reventlow zu Itzehoe verpachtet hatte, der den See teilweise trockenlegen und in einen Fischteich umwandeln wollte. Seit dieser Zeit - der Graf war damals Verwalter des Klosters und stand daher in engen Beziehungen zu den Meimersdorfern - hatten diese ungehindert Moor und Weide in Nutzung genommen, um im Laufe der Jahre daraus ein Gewohnheitsrecht zu entwickeln, das ihnen, als im Jahre 1739 der See wieder in den rechtmäßigen Besitz des Amtes Kiel überging, streitig gemacht wurde. Der derzeitige Amtmann wollte den Meimersdorfern, als sie der Aufforderung, von Moor und Weide fortzubleiben, nicht nachkamen, durch den Vogt Hubner 25 Fuder Torf, die sie dort gegraben hatten, wegnehmen. Später drohte er ihnen, er würde, wenn sie mit Gänsen und Schweinen nicht von Grasland und Moor wegblieben, von ihrem Weidevieh das eine oder das andere Stück wegnehmen.

Als er nun diese Drohung im Jahre 1745 wahrmachen wollte, wehrten sich die Meimersdorfer mit allen Kräften. Sie selbst berichten in einem späteren Bittschreiben an die Königliche Regierung, "dass der Amtmann drei fürstliche Dorfschaften aufgeboten, sich mit selbigen und anderen Bedienten in Person nach der Moorsee verfüget, um das selbst unsere Schweine zu schütten (einfangen, wegnehmen). Wie aber unsere ganze Dorfschaft auch dahin gekommen war, um solcher Schüttung sich zu widersetzten, und Herr Graf wohl sah, dass wir stärker wären als seine Leute, nahm er zwar keinen Angriff vor, befahl doch aber den bei sich gehabten Schützen, ein paar von unseren Schweinen totzuschie8sen. Doch solches blieb ebenfalls nach."

Dass der Zusammenstoß nicht so reibungslos vonstatten ging, wie dieser harmlose Bericht der Meimersdorfer vermuten lässt, beweist ein Augenzeugenbericht des Holzvogtes Hans Wilhelm. Er bemerkt, dass auf den Befehl des Amtmannes, drei Schweine Fortzunehmen, "eine große Menge Bauern mit Beilen, Torfspaten, Forken und großen Prügeln ihn nebst dem Herrn Grafen umringet und gesaget, dass, wenn ihnen etwas weggenommen werde, kein Gebein davon kommen sollte, und dabei mit Hebung der Beile geschrien und gesaget: Nun, wer der erste sein soll, und schien es als wollten sie alle Augenblicke zuschlagen; allein der Herr Graf hätte geantwortet: Wir wollen uns nicht totschlagen, und soll auch heute nicht genommen werden, denn was ich Euch verspreche, das halte ich."

Die Meimersdorfer, die so tapfer ihr Eigentum beschützten und auch ein Blutvergießen nicht gescheut hätten, wenn jemand ihr Vieh anzufassen gewagt hätte, führten auch wegen dieser Streitfrage einen langen Prozess, der sich von 1745 bis 1759 hinzog und mit einem Vergleich abgeschlossen wurde, der ihnen erlaubte, unter bestimmten Bedingungen Moor und Weide zu nutzen. So hatten sie also durch ihr unerschrockenes Verhalten und ihre Beharrlichkeit im Prozess ihren Willen durchgesetzt und ihrem bäuerlichen Gemeinwesen einen nicht unbedeutenden wirtschaftlichen Vorteil errungen, denn die Weiden waren damals knapp, und Feuerung auf andere Weise als durch Torfgraben nur schwer zu beschaffen.

"Gefährliche und offenbare Befehdungen" der Meimersdorfer gegen die Moorseer

Dass die Meimersdorfer leicht geneigt waren, im Gegensatz zu anderen Nachbarsorten den obrigkeitlichen Befehlen zuwiderzuhandeln, sobald ihre Interessen gestärkt wurden, zeigt eine kleine Geschichte aus der Zeit, in der der oben angeführte Prozess verhandelt wurde.

Die Einwohner von Moorsee, die ebenfalls an der strittigen Torffrage beteiligt waren, hatten den Befehl des Amtes Kiel, während der Zeit, da die Sache klagbar war, "alles und jedes in status Quo zu lassen und sich auf dem fundo Questionis (dem fraglichen Grund und Boden) aller Anmaßungen durchaus zu enthalten, auch getreulich nachgelebt." Weniger friedlich waren die Meimersdorfer, denn "es hat der Dorfschaft Meimersdorf gefallen, einen Graben im Moor (wegen besserer Entwässerung ihrer Ländereien) neu aufzugraben und zu vertiefen." Als dieser nun auf Befehl des Amtes von den Moorseern wieder zugeworfen wurde, setzten sich die Meimersdorfer in folgender Weise zur Wehr: "Allein dieser Graben ist von den Meimersorfern unter Bedeckung einer beträchtlichen Menge mit Torfspaten und anderen statt Gewehrs gebrauchten Instrumentes versehenen Bauern wiederums von neuem ausgegraben, auch von da ab mit einer Wache versehen und den Moorseern gedrohet, dass alle, die sich dagegen wenden würden, auf der Stelle totgeschlagen werden sollten." Diese "gefährlichen und offenbaren Befehdungen" wurden den Meimersdorfern natürlich verboten, und das Amt regelte den Zwischenfall auf friedliche Art und Weise.

Originalabschrift des folgenden Planes

„Plan des Moorsee-Teichs

Plan der Situation zwischen der Großfürstl. Lütjen Flint-Beker, Klösterl. Itzehoer Meimerstorffer, Großfürstl. Dorff Mohrsee, et Klösterl. Schlüsbeker Schleyde.
A) Der ware Horizont und Wasser-Waage beweiset das bevor der See bei Schlüsbek abgegraben die Weise ihrer der Mohrsee gestanden.
B) wie hoch der jetzige Mohr-Sees-Teich, seit 4 Jahren gestauet, angewachsen
C) der von den Moorseern, und Meimersdorfern ist gezogen worden damit das Vieh nicht auf das besäte Land, kommen möge, so aber nunmehr von den Meimerstorffern als ein Scheydegraben praetendiret wird.
D) Der jenige Ort wo die Meimerstorffer Hufner, Kätner und Insten, die Schweine in das Mohr gejaget und von Sr Exc. den Grafen von Darnadt, denselben dieses zu Ihnen untersaget worden und in Beysein des Hausvoigt Hübner den Holzvoigt Hans Wilhelm befehliget etzl. Schweine zu pfänden, so ist die Dorffschaft bey 100 Personen, alte und junge von 7 und 28 Jahren, sowohl auf den Grafen Sub. Lig 0 als itzt bemeldte Persohnen mit Schaufeln und Spaten, Torfaschers eta. N.B. der dahmalige Schmidt Hans Wegner zu Meimerstorff welcher jetzo wohnhafft in Kiel hat das Beil vor Ihrer Exc. in die Erde gehauen und gesaget es gingen nicht gut, losgegangen und ertödten wollen wofern Sie sich unterstünden ein eitziges Schwein wegzunehmen.
E) Die Löcher wo die Meimerstorffer den Torff de fakto aus dem Teich gegraben.
F) Die Stette, alwoder Hausvoigt den bereits gegrabenen und annoch vorgefundenen ohngefähr 7 - 8 Fuder hinwegfahren lassen.
G) Die sogenannte große Steinklippe oder Haufen
H) Die kleine Steinklippe oder Haufen
I) Das großfürstl. Dorff Mohrsee
K) Mohr-See-Teich
L) Horste so nicht von Wasser befloßsen
M) Schlüsbek Klösterl. Pretz

Kiel, den 5. Jan. 1747
Detinaevit Carl Albrecht Dranckaan Ingenieur“


Niederschrift der Aufzeichnung von Herrn H. Einfeldt vom 15. November 1853

„Die Dorfschaft Moorsee hat vor früheren Jahren aus 6 Hufnersteilen und 4 volle Kätner und ein 1/8 Kätner und außerdem mit der halben Hufe Mordhorst in Poppenbrügge bestanden.

Der Halbhufner Mordhorst ist vor früheren Jahren von gar nichts wegen schuldig erkannt, für die halbe Hufe an die Dorfschaft Moorsee Nachtwächtergeld zu bezahlen . Die 4 Kätner, ein jeder für eine viertel Hufe, hatten auch Nachtwächtergeld zu zahlen.

Darauf ist von amtswegen entschieden worden, daß das Nachtwächtergeld nach Tonnenzahl aufgebracht werden sollte und zwar aus der Pappenburg 4 Tonnen altes land gegen eine Tonne Dorfland gerechnet werden sollte und 2 Tonnen Seeland gegen eine Tonne Dorfsland; es scheint uns nach unserer Meinung nicht ganz richtig zu sein, (sie waren da nicht ganz mit einverstanden).

Ich möchte dem hochverehrten Amtshause die Ursache oder den Grund hierüber mitteilen, dass die 4 Kätner größtenteils ihr altes Dorfland an die Poppenbrügger verkauft haben. Es sind ca. 80 Tonnen Land, die jetzt dem Halbhufner Mordhorst in Poppenbrügge gehören. Es sollten 4 Tonnen gegen eine Tonne Dorfsland gerechnet werden. Dadurch verliert die Dorfschaft 60 Tonnen altes land.

Unserer Meinung nach, wenn die Poppenbrügger für 2 Tonnen gegen eine Tonne Dorfsland Nachtwächtergeld bezahlt, dann erhält die Dorfschaft gerade sein Geld wieder von dem Halb-Hufner Mordhorst, Poppenbrügge, um den Nachtwächter zu bezahlen. Die Parzellen (Paarannlisten) an dem Teich Moorsee sollten 2 Tonnen für eine Tonne Dorfsland an Nachtwächtergeld gerechnet werden; unserer Meinung nach, müssten die Parzellen, die weit vom Dorfe entfernt sind, wo der Nachtwächter nicht kommen kann, dass 2 Tonnen Seeland für 1 Tonne Dorfsland gerechnet werden.

Diejenigen Parzellen nähmlich von Delfs, Dowers und die Voßstelle, die Hamann jetzt gekauft hat, die am Dorfe liegen, wo der Nachtwächter immer kommen kann, da müsste nach unserer Meinung das Seeland mit dem Dorfsland gleichgestellt werden mit der Bezahlung des Nachtwächtergeldes; denn die bauen auf dem Seeland genau so viel Korn, als wir auf unserem Dorfland. Die Hufner haben 48 Tonnen Seeland gekauft, die mussten auch für Seeland so viel als für ihr altes Dorf¬and bezahlen.

Die Kätner Horn und Delfs, hatten früher 12 Tonnen altes Dorfsland und mussten für 1/4 Hufe Nachtwächtergeld bezahlen; jetzt haben sie ca. 30 Tonnen Land und wenn 2 Tonnen Seeland für 1 Tonne Dorfsland gerechnet wird, so bezahlen sie nur für 1/6 Hufe und das finden wir ungerecht. Wenn die Berechnung so bleiben sollte, dass 2 Tonnen Seeland und 4 Tonnen Poppenbrügger Land und 1 Tonne Dorfsland als Berechnungsgrundlage herangezogen werden, so müssen wir Hufner jetzt mehr bezahlen nach Tonnen, als früher nach Hufnerzahl, obgleich die Dorfschaft um 10 Stellen größer geworden ist und 230 Tonnen dazubekommen hat.

Nun ist hier noch zu bemerken, der Holz und Revierförster Friedrichsen zu Poppenbrügge, hatte 12 Tonnen altes Dorfsland von Moorsee, die sind früher von einer Kätnerstelle gekauft worden ob der Herr Friedrichsen auch zum Nachtwächtergeld herangezogen werden kann.

Widerum haben Möller und Griese aus Schlüsbek 18 Tonnen Seeland in Moorsee gekauft, sie sind schuldig befunden, an die Moorseer von nun an zu bezahlen.

So bitten wir das hochverehrte Amtshaus, uns ein Urteil darüber zu treffen und uns mitzuteilen, ob diese drei auch schuldig sind, Nachtwächtergeld zu zahlen und nach Tonnenzahl registriert werden sollten. So bitten wir dem hochverehrten Amtshause, daß der Sache mal gründlich nachgegangen wird und daß sie uns das Urteil mitteilen möchten. Wir sind der Meinung, wenn die Sache so entschieden würde, so wäre sie auch rechtens und könnte eingeklagt werden, daß heißt, wenn die Auswärtugen, die aus dem Dorfe liegen, wo der Nachtwächter nicht hinkommen kann, nach dem Gesetz auch verpflichtet werden, mit zu bezahlen.“

Moorsee, den 15. November 1853
      H. H. Einfeldt

Die Trockenlegung des Moorsees

Wo sich die heutigen Seewiesen befinden, war früher der so genannte Moorsee-Teich. 1747 wurde das Seegebiet vermessen, ob es lohnend ist, durch Trockenlegung das Areal zu Wiesen und Weiden zu nutzen. Nun war die Frage gestellt worden, wohin das Wasser am günstigen abzuleiten war. Der Ablauf des Sees führte zur Eider. Eine Vertiefung dieses Abflusses erwies sich als zu schwierig. Im Jahre 1805 wählte man den kürzeren Weg in Richtung Osten(Schlüsgraben), wo das natürliche Gefälle an den meisten Stellen vorhanden war. Nach der Trockenlegung wurde das Land in Parzellen von 4 1/2 - 5 1/2 ha aufgeteilt und zum Verkauf angeboten. Im Jahre 1904 wurde der Schlüsgraben vertieft und verbreitert, damit man die Wiesen besser nutzen konnte. 1956 wurde eine weitere Vertiefung durchgeführt. Durch den Entzug des Wassers sank das Bodenniveau zunehmend ab. Um das Wasser weiterhin aus dem ehemaligen Seegebiet zu entfernen, wurde ein Schöpfwerk errichtet.

1764 hatte Moorsee folgende Hufen, Katen und Insten:

TonnenScheffelQuadratruten
Hans-Friedrich Delfs 65 19 37
Asmus Stoltenberg 61 25 81
Max-Hinrich Dahl 66 41 65
Hans Dose 66 17 35
Max Mordhorst 74 1 30
Freihufe 60 - 51
Peter Horn - 2 58
Johann Eichmann 1 1 48
Klaus Friedrich Möller - 2 43
Johann Horn und
Hans Delfs
1 - 27
Dietrich Schlotfeld - 2 45
Hirte - - 82
das Dorfland (Anger) 39 - 64


Genannt sind folgende Flurstücke: Bornkamp, Platzen, Immensollen, Stapelkoppel, Wüstenfeld, Buchenberg, Radewiese, Stuckkamp, Ellerhörn, Trensahl, Heisch, Braok, Rodenbek, Hofkamp, Scharfenstein, Schlüs¬stücken, Spitzkoppel, Sollingsmo

Abschrift aus einem Kaufvertrag

1771 stellte der Hufner Johann Matthias Stoltenberg bei der Kieler Amtsstube den Antrag die zu seiner Hufe gehörige Schmiedekate verkaufen zu dürfen. 1783 erfolgte der Verkauf an den Käufer Hinrich Heinrich Petersen für Kaufschilling von 233 Reichsthaler und 16 Schilling. Dieser Betrag ist in vorgeschriebenen Münzsorten bei der hiesigen Amtsstube zum künftigen Kieler Umschlag 1184 zu bezahlen, sondern auch künftig jährlich von dieser KatensteIle eine Grundheuer von 2 Reichsthaler an das Kielsche Amtsregister zu erlegen, damit bei Ablauf des Dezember Monats 1784 den Anfang zu machen und in solcher Gestalt mit deren Entrichtung jährlich zu continuiren, wie solches nach dem Inhalte der Königlichen Hebung Ordere aus Kopenhagen von 30ten August 1783 näher verfüget ist.

§ 3

Verpflichtet sich derselbe auch, alle und jede Handdienste bei der Neumühlener Mühle, so wie die Laufreisen in Amtsgeschäften zu verrichten und leisten, auf dieselbige Art und Weise und in dem Maße, als solche von dem Verkäufer Hinrich Andreas Stoltenberg als Kätner bisher geleistet worden oder zuleisten beigekommen sind.

§ 4

Entsaget der Käufer Hinrich Petersen bei dieser KatensteIle allen Gebrauch des schmiedens, als worüber er eine besondere zu suchen schuldig ist, falls er dereinsten gewilligt werden möget, das Schmiede-Handwerk in selbige zutreiben oder jemand anders treiben zu lassen.

§ 5

Beiderseits Kontrahenten begeben sich aller rechtlichen Einreden und Behelfe, somit und sonders, welche gegen diesen Kauf- und Überlassungskontract auf irgendeinige Weise mögten oder könnten gemacht werden, bei Verpfändung ihrer sämtlichen Habe und Güter und entsagen aufs feierlichste aller Ausflüchte und Rechtsverhalten, sie haben Namen wie sie wollen, als der Überredung, der Verletzung auch über die Hälfte, des Betruges, daß es nicht besonders anders verabredet worden, des Scheincontracts, der Wiedereinsetzung in den vorigen Stand und was dergleichen mehr, insbesondere aber der Rechtsregel, daß eine gemeine Verzicht nicht binde, wenn nicht die besondere vorhergegangenen wohlwissentlich und wohl verdächtlich. Alles sonder Arglist und Gefährde. Außerdem verbindet sich Verkäufer an noch für sich und seine Erben, dass er den Käufer sowohl als auch dessen etweilige Erben, für jedermann, Zu- und Beisprüche an mehrberechte Schmiedekate sichern, ihm und sie deshalben in und schadlos halten wolle. Wie dem zu mehreren Urkunden und Festhaltung alles dessen dieser Kaufcontract von Käufer und Verkäufer eigenhändig unterschrieben worden.

So geschehen, Kiel den 1ten Dezember 1783

Hinrich x x x Andreas Stoltenberg
Hinrich Petersen

das vorstehende Unterschrift Kreuzzeichen von den beikommenden Contrahenten eigenhändig geschrieben, wird hierdurch akzeptiert D.a.S

J. Maspersen Königlicher Amtsschreiber
Obiger Kaufcontract wird hierdurch in allen seinen Punkten Clauseln von mir bestätigt

Bordesholm den 1ten Dezember 1783

Siegel

von Gohoaldern-Gunderoth
Im Kielsche Amts Contracts Protor: eingetragen
pag 465 Ertrag

J. Maspersen


Aufstellung der Bürgermeister, Ortsvorsteher und Bauernvogte von Moorsee

1767Johann Christoph DoseBauernvogt
Delfs Bauernvogt
H.H. Einfeld
Stoltenberg Ortsvorsteher
1890Detlef Hamann Ortsvorsteher
1896Heinrich Schmidt
1909Detlef Hamann Ortsvorsteher ab 1919 Bürgermeister
1932Hermann Mordhost
1947Arthur Arndt
1955Pötsch
1966Arthur Arndt
1970Heinrich Clausen


Auszüge aus dem Moorseer Schulleben:

1764 wird erstmals erwähnt, dass Moorsee eine Schulkraft hat. Der Lehrer Detlef Schlotfeld beschwerte sich bei der Kieler Amtsstube, dass ihm das zustehende Weideland verweigert wird. Ihm steht eine Fläche für 2 Kühe, 4 Schafe, 1 Schwein sowie 1 Gans mit Nachkommen zu. Auf Grund dieser Beschwerde bekam er ca. 4 Tonnen Weideland am Buchenberg. Um 1780 musste der Lehrer laut Verfügung der Regierung in Schleswig, auf seinem Kohlhofe (Schulgarten) Obstbäume anpflanzen, den Ertrag musste er unter den Schülern verteilen.

Namentlich ist bekannt, dass der Lehrer Rix von 1831 bis 1867 hier in Moorsee tätig war. Zwei Jahre nach seiner Pensionierung verstarb er in Poppenbrügge. Vom Frühjahr 1868 bis zum Herbst 1869 war Lehrer Glöde hier tätig und wurde dann nach Raisdorf versetzt. Am 7. Januar 1870 wurde der Lehrer Rohwedder zum Lehrer gewählt. Er wurde am 1. Februar vom Schulinspektor Herrn Pastor Hansen aus Kiel in sein Amt eingewiesen. Das jetzt noch stehende Schulgebäude wurde 1874 erbaut und am 5. Juni 1875 von Herrn Pastor Harries eingeweiht. Der Grundstücks- und Baupreis belief sich auf 10.000 Mark. 1889 reichte Lehrer Rohwedder aus gesundheitlichen Gründen seine Pensionierung ein. Dieser Antrag wurde abgelehnt, weil der Physikus seine Krankheit für heilbar erklärte. Aber eine Genesung erfolgte nicht. Daraufhin erfolgte Ostern 1889 bis zum 14. Juni kein Unterricht. An diesem Tage trat Lehrer Graf aus Wellsee seine Vertretung an. Er unterrichtete 7 Stunden wöchentlich. Am 1. November 1889 erhielt Lehrer Rohwedder die Bestätigung seiner Pensionierung. Die Pension betrug jährlich 1100 Mark, wozu die königliche Regierung 600 Mark und die Gemeinde Moorsee 500 Mark zahlte. Anschließend bewarb sich der Lehrer Gottfried Burmeister für den Schuldienst im Ort, er wurde am 12. April 1890 in sein Amt eingewiesen. Sein Gehalt betrug jährlich 1200 Mark, dieses setzte sich aus folgender Aufstellung zusammen:

Bargehalt300 Mark
Landertrag517 Mark
Roggenlieferung87 Mark
Feuerung76 Mark
Wohnung120 Mark
Garten100 Mark
1200 Mark


Im Januar 1892 trat der Lehrer Emil Henning an dieser Schule seinen Dienst an. 1904 wurde die Halbtagsschule eingeführt. 1911 wurde die alte Schulscheune abgebrochen. Durch den Zimmermann Süfke aus Kleinbarkau wurde ein neuer Stall mit Toiletten für 3000 Mark errichtet. In diesem Jahr erkrankte Lehrer Henning und es musste wieder Lehrer Graf aus Wellsee die Vertretung übernehmen.

Es wurden wöchentlich 8 Stunden Unterricht erteilt. Am 15. September übernahm Lehrer Glashoff bis auf weiteres den Unterricht. 1913 verstarben 2 Schülerrinnen an Diphtherie. 1919 errichtete der Schulverband Moorsee - Meimersdorf eine Schule in Poppenbrügge. Am 30. März 1920 wurden 12 Schüler aus Poppenbrügge von Moorsee in die neu erbaute Schule umgeschult. Am 12. Januar 1920 fand die erste Elternversammlung statt. Zum Elternbeirat wurden gewählt Detlef Hamann, Willi Hamer, Heinrich Schmidt, Christian Hinckelmann und Heinrich Hinrichsen. Lehrer Henning wurde am 12. April auf die Reichsverfassung vereidigt. 1923 kamen 6 Kinder aus dem besetzten Ruhrgebiet nach Moorsee. Am 1. Mai 1924 wurde der Lehrer Henning in Ruhestand versetzt. Sein Nachfolger wurde Walter Schultz aus Dreikronen. 1926 wurde ein Bildwerfer für die Schule angeschafft. Am 11. Dezember 1928 erkrankte der Lehrer Schultz, somit mussten die Schüler einige Wochen in Poppenbrügge die Schule besuchen. Im Winter 1928/29 hielt der Frost (-20 bis -30°) ununterbrochen an. Die Eisdecke im Kieler Hafen erreichte eine Stärke von ca. 1 m. Die Schulkinder sahen sich dieses Naturereignis an. Auf Erlass des preußischen Ministeriums in Berlin sollte die Schule Moorsee mit Wirkung ab 1. Februar 1932, wegen der geringen Schülerzahl (14 Schüler) geschlossen werden. Man erhob Einspruch wegen des langen Schulweges. Am 4. April wurde von der Aufhebung der Schule endgültig abgesehen. Seit dem Frühjahr 1936 besitzt die Schule ein Filmvorführgerät. Im März 1938 trat das deutsche Schulgesetz in Kraft, dass die 8-jährige Schulzeit einführt. 1939 wurde der Lehrer Schultz zu einer Wehrübung eingezogen, die Kinder des 4. - 9. Schuljahres besuchten die Schule in Poppenbrügge, während Frau Schultz die Kinder des 1. - 3. Schuljahres unterrichtete. Während des Krieges wurde der Schulunterricht notdürftig aufrechterhalten.

Am 19. Mai 1943 erfolgte gegen 14:00 Uhr ein Bombenangriff, dass Schulgebäude wurde dabei stark beschädigt. Nach Kriegsende ruhte der Unterricht auf Anordnung der britischen Militärregierung. Im Herbst 1945 wird der Unterricht wieder aufgenommen. Die Schülerzahl beträgt 32, darunter sind 5 Flüchtlingskinder. Die alten Schulbücher durften nicht mehr benutzt werden. Im April 1946 stieg die Schülerzahl auf 86 Kinder, bedingt durch die Flüchtlinge. Die Schülerzahl steigt weiterhin und somit ist das Klassenzimmer zu klein, um die Schüler aufzunehmen. Daraufhin wurde der Schichtunterricht eingeführt. Seit dem 20. Dezember 1946 erhält die Schule eine offizielle Schulbespeisung für unterernährte Kinder. Um den kinderreichen Familien die Zahlung zu erleichtern, wird folgender Beitrag erhoben: Für das erste Kind 15 Pfennig, fürs zweite 10 Pfennig, fürs dritte 5 Pfennig und jedes weitere Kind war frei. Im März 1947 wurde die Schule wegen Kohlenknappheit geschlossen. Die Schülerzahl betrug im September schon 104 Kinder. Am 3. Mai 1948 übernimmt Fräulein Kienaß das 1.-3. Schuljahr.

Im Sommer 1948 wurde auf dem schuleigenem Moorgrundstück in Kleinflintbek Torf gestochen, damit die Schule beheizt werden konnte. Im Juni 1949 wurde ein neuer Schulhof von ca. 2500 qm angepachtet. 1950 bekam die Schule, durch Zustimmung der Gemeindevertretung, neue Schulbänke, die alten stammten vermutlich aus dem Jahre 1874. Frau Sendig geb. Kienaß wurde nach den Sommerferien 1950 beurlaubt und wurde durch Fräulein Equitz ersetzt. Am 5. April 1951 trat Lehrer Bendig aus Depenau seinen Dienst an, er unterrichtete das 1. - 4. Schuljahr. Im Frühsommer wurde der angepachtete Schulhof planiert und mit Schlacke und Kies aufgefüllt. Jährlich machte der Schulleiter mit der Oberklasse einen mehrtägigen Ausflug an die Westküste. Im Sommer 1953 wurde Lehrer Bendig an die Schule nach Lütjenburg versetzt. Zu dieser Zeit bestand in Schleswig Holstein Lehrermangel, dadurch wurde Frau Schultz als 2. Lehrkraft eingesetzt. Sie übernahm am 20. August 1953 bis Ostern 1954 diese Tätigkeit. Die Schülerzahl sank langsam, im April 1954 beträgt sie 53 Schüler. Anfang April übernahm Fräulein Osterburg die Klasse, diese wird schon wieder am 4. November nach Schönberg versetzt. Von diesem Tage an übernahm Frau Schultz bis zum 31. März 1955 die Unterstufen. Von April 1955 wurde die 2. Lehrerstelle nicht mehr besetzt. Es wurde wieder eine einklassige Volksschule. Im April 1957 beträgt die Schülerzahl nur noch 34 Kinder. Für den Klassenraum wird eine neue Klapptafel angeschafft, da die alte Stehtafel aus dem vorigen Jahrhundert stammte, und den Ansprüchen nicht mehr entsprach. Im Sommer 1959 bekam die Schule Spültoiletten. Am 31. März 1961 beendete Lehrer Schultz seinen Schuldienst nach 37-jähriger Lehrertätigkeit in Moorsse. Ostern 1961 übernahm Michael Seusing den Schuldienst. Bei der Übernahme betrug die Schülerzahl 6. Am 2. Juni 1961 wurde ein Schüler beim überqueren der B 404 überfahren. Ein zweiter Unfall ereignete sich am 29. Juli, als eine Schülerin im Dorfteich ertrank. Im Herbst 1964 verließen die 4 Gastschüler aus Havighorst unsere Schule. Sie gingen dann in die neu errichtete Dörfergemeinschaftsschule nach Kirchbarkau. Das traditionsreiche Vogelschießen (Kinderfest) konnte ab 1965 nicht mehr im Ort durchgeführt werden, da die Gastwirtschaft in Schlüsbek geschlossen worden war. Die Wettkämpfe fanden auf dem Schulhof statt, die Tanzveranstaltung wurde in Lindenhain in Poppenbrügge gefeiert. 1967 wurden die Schüler nach Poppenbrügge umgeschult und die Schule im Ort Moorsee geschlossen.

Die Ortschaft Schlüsbek

1869 wurde Schlüsbek von der Gemeinde Rönne abgetrennt und als selbstständige Gemeinde erhoben. Johann Möller wurde der Ortsvorsteher.

Folgende Familiennamen sind bekannt:
Johann Möller, Hans Kühl, Johann Schwedler, Johann Gries, Claus Gries, Christian Schramm, Hinrich Schlüter, Johann Rieper

Bürgermeister und Ortsvorsteher:
1875Hans Kühl
1878Johann Rieper
1884Claus Gries
1890Heinrich Gries
Christian Rieper
Gustav Bargmann
Johannes Petersen